News / 01.05.2003

Versuchskaninchen für den Peru Austausch

 
Versuchskaninchen für den Peru Austausch

Wie ist es möglich, sieben ereignisreiche Monate in einem kurzen Text zusammenzufassen? Wie ich es auch drehe, muss ich wohl eine Menge schöner und völlig neuer Erlebnisse weglassen und kann somit nur einen groben Einblick vermitteln. Für mich war alles doppelt aufregend, da ich das Versuchskaninchen für den Peruaustausch war und ich die Universität, die Millionenstadt Lima, das drückend heiße Klima und die peruanischen Gepflogenheiten vollkommen neu entdecken musste. Zum Glück begleitete mich mein Freund, so war ich nicht völlig auf mich allein gestellt.

Die ersten vier Monate verbrachte ich an der Universität in Lima und die restlichen drei auf Reisen quer durch Perú, Bolivien und Chile. In dem Studium dort war ich gezwungen, zu meinen Wurzeln zurückzukehren, fast alles wurde von Hand gezeichnet und illustriert. Auch ein A2 Plakat sollten wir malen, obwohl es einen großen Computerraum mit hochwertigen Rechnern gab. Mir fiel auf, dass ich mich mit meiner Art zu gestalten deutlich von dem peruanischen Stil abhob. Peruaner gestalten farbenfroher und freier im Umgang mit Schrift als wir Europäer. Für manche Augen mag die peruanische Gestaltungsweise zu chaotisch und bunt erscheinen, meiner Ansicht nach waren die Arbeiten in ihrer Umsetzung jedoch phantasievoller als die meisten, die ich bisher aus Deutschland kannte (mich miteinbezogen). Dafür waren die peruanischen Arbeiten konzeptionell nicht so ausgereift.

Letztlich ist mir wohl oder übel bewusst geworden, wie deutsch ich eigentlich bin. In meiner ganzen Art. Mir hat das Studieren in Lima jedenfalls viel gebracht. Ich habe Spanisch gelernt, sehr nette Menschen kennen gelernt und mich von peruanischem Design inspirieren lassen. Ich vermisse den einmaligen Geschmack peruanischer Mangos und Papayas, das Fahren in Micros (klapprige VW-Büsschen, die in rasantem Tempo durch die Stadt heizen und deren Fahrer versuchen, mit lauten Salsa- und Merengueklängen das Motorengeräusch zu übertönen), das Klima und die unverkrampfte Art der Peruaner, mit Zeit umzugehen.

Nele Gothe

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