Blog / 21.04.2026
„Eine zweite Familie“ – Über das, was die ecosign von anderen Hochschulen unterscheidet

Janine Steeger, Direktorin der ecosign, hat sich kürzlich mit Annette zusammengesetzt – der Mutter von Jonatan, der bei uns im vierten Semester studiert. Das Gespräch gab einen ehrlichen Einblick in das, was die ecosign für Studierende und ihre Familien bedeutet. Und Annette weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur Mutter eines Studenten hier, sie hat die ecosign längst auf ihre eigene Art kennengelernt, unter anderem bei einem Aktzeichnen-Workshop. Sie ist, in gewissem Sinne, selbst Teil der Gemeinschaft geworden.
Wie alles begann
Aufmerksam wurden sie über Instagram. Ob es eine Anzeige war oder eine Story, weiß Annette heute nicht mehr genau. Was hängengeblieben ist: der Hinweis, dass die ecosign auch Workshops für Nichtstudierende anbietet, dass man einfach mal reinschnuppern kann, bevor man irgendeine Entscheidung trifft. „Wenn man da einfach mal reinschnuppern kann, mach das doch mal“, hat sie Jonatan damals ermutigt. Er hatte den Hinweis selbst schon gesehen, aber nie wirklich darüber nachgedacht. Es brauchte den sanften Schubs seiner Mutter.
Gesagt, getan: Erst Workshop, dann Hospitation beim offenen Unterricht, dann die Bewerbung. Und schließlich: die Zusage! Was Annette dabei besonders berührt hat: Als Jonatan zum Bewerbungsgespräch erschien, saß er zufällig jemandem gegenüber, bei dem er auch hospitiert hatte. Der hat ihn sofort wiedererkannt. „Die Leute erkennen einen wirklich direkt wieder“, sagt sie, und das ist genau das, was die ecosign von vielen anderen Institutionen unterscheidet.

Jeder kennt jeden gefühlt
Janine fragt Annette, was sie und Jonatan damals überzeugt hat. Die Antwort kam sukzessive. Erst das Inhaltliche: die Vielfalt der Fächer, der Nachhaltigkeitsgedanke, das breite Spektrum an gestalterischen Disziplinen. Dann aber das, was sich schwerer in Worte fassen lässt. „Ein relativ kleiner Ort“, sagt Annette, „kurze Dienstwege, jeder kennt jeden gefühlt.“
Und dann erzählt sie von handgeschriebenen Zetteln, mit denen Dozierende wie Martin Böer Feedback zu gestalterischen Arbeiten geben. Keine allgemeinen Anmerkungen, sondern Rückmeldungen, die auf die Person eingehen, auf das, was jemand mitbringt und wohin die Person sich entwickeln könnte.
„Eine Wärme, die das Ganze ausstrahlt“, nennt sie das. Irgendwann im Gespräch sagt sie, fast beiläufig: „Ihr seid so ein bisschen eine zweite Familie.“ Und dann, nach einer kurzen Pause: „Ja, irgendwie schon.“
Raum, um so zu sein, wie man ist
Was Jonatan eigentlich gesucht hat, als die Schule zu Ende war? Annette denkt kurz nach. „Den Raum, in dem er so sein kann, wie er ist. Wo man nicht urteilt und wo er Unterstützung findet in dem, was er schon kann und was er werden möchte.“
Das zeigt sich auch in ganz konkreten Dingen. Annettes alte Spiegelreflexkamera, die jahrelang kaum angerührt wurde, ist seit Jonatans Studium fast täglich im Einsatz, mit echtem Interesse an der Technik dahinter. Die ecosign hat ihn auf Wege gestoßen und Türen geöffnet, die er vorher nicht kannte.
Das ist auch das, was Annette meint, wenn sie über Persönlichkeitsbildung spricht, ein Thema, das Janine und der ecosign ausdrücklich am Herzen liegt. Man merkt es nicht nur an den Lehrplänen, sondern daran, wie über, und vor allen Dingen: mit Studierenden geredet wird.
Brotlose Kunst?
Auf das altbekannte Klischee angesprochen, bleibt Annette entspannt. Was Jonatan in fünf Jahren macht, ob er sich selbstständig macht, ob er mit anderen zusammen Ideen entwickelt und umsetzt, das steht noch offen. Und das ist gut so. „Mach einfach!“, sagt sie ermutigend.
Inhaltlich ist sie ohnehin überzeugt. Auf Janines Frage, welche Rolle Designer:innen in der Zukunft spielen werden, antwortet Annette mit einem klaren Wunsch: eine zunehmend größere. „Hier werden wirklich Ideen und Konzepte entwickelt, die die Welt ein bisschen besser machen können. Manchmal sind es die kleinen Ideen, die sehr viel bewirken.“ Gestaltung als Werkzeug, als Beitrag, als Haltung gegenüber der Welt, das ist das Bild, das Annette von der ecosign mitgenommen hat.
Was sie anderen Eltern mitgeben würde
Am Ende des Gesprächs bittet Janine Annette um einen Rat für alle Eltern, die sich fragen, ob die ecosign das Richtige für ihr Kind sein könnte. Die Antwort ist kurz und herzlich: „Unterstützt euer Kind bei der Entscheidung, die ecosign auszuwählen. Auf jeden Fall.“
Dahinter steckt das, was Annette über mehr als zwei Semester beobachtet hat. Einen Ort, an dem junge Menschen ernst genommen werden. Einen geschützten Raum, in dem Ideen wachsen können und in dem man herausfinden darf, wer man eigentlich ist. Ein Biotop, wie sie selbst sagt. Und manchmal eben auch so etwas wie eine zweite Familie.
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