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Blog / 24.02.2026

Studieren mit ADHS: Wie die ecosign neurodivergente Studierende unterstützt

Studierende der ecosign - Neurodivergenz als Chance

In einer Bildungslandschaft, die oft von starren Strukturen geprägt ist, geht die ecosign Akademie einen anderen Weg. Als Deutschlands führende Hochschule für Nachhaltiges Design macht die ecosign nicht nur beim Thema Ökologie Pionierarbeit – sondern auch bei der Inklusion neurodivergenter Studierender.

Im Gespräch mit Enrico Kunze, Strategischer Designer an der Schnittstelle von Design und Inklusion, sprechen wir über ADHS im Studium, neurodivergente Perspektiven als Bereicherung und warum gerade das Nachhaltige Design von dieser Vielfalt profitiert.

Neurodivergenz im Studium: Mehr als nur Nachteilsausgleich

Etwa 5-7% der Bevölkerung leben mit ADHS, und viele weitere Menschen sind auf andere Weise neurodivergent – sei es durch Autismus, Dyslexie oder andere neurobiologische Besonderheiten. Doch die traditionelle Hochschullandschaft ist primär auf neurotypische Menschen ausgerichtet. Große Vorlesungssäle mit gleißenden Neonlampen, starre Stundenpläne und wenig Raum für individuelle Bedürfnisse prägen vielerorts das Studium.

Die ecosign Akademie denkt Bildung anders. Mit ihrer familiären Atmosphäre, individueller Betreuung und der Möglichkeit, Kurse aktiv mitzugestalten, schafft die Kölner Institution einen Raum, in dem neurodivergente Perspektiven nicht nur geduldet, sondern wertgeschätzt werden.

Enrico Kunze bei einem Vortrag an der ecosign
Vortrag: Enrico Kunze @ ecosign

Was brauchen neurodivergente Menschen im Studium?

„Neurodivergenz ist immer sehr individuell“, erklärt Enrico Kunze. „Deshalb ist es schwierig, allgemeingültige Aussagen abzuleiten, die für alle passen.“ Dennoch gibt es einige Faktoren, die vielen helfen können, wie reizärmere Umgebungen und Rückzugsorte.

  • Der wichtigste Hebel: Darüber sprechen

Für Enrico ist jedoch etwas anderes noch entscheidender: „Dass wir überhaupt über das Thema sprechen.“ Sichtbarkeit und Austausch seien riesige Hebel im Bildungskontext. „Wenn man versteht, dass Menschen neurobiologisch unterschiedlich ‚gebaut‘ sind, versteht man auch schneller: Es gibt unterschiedliche Bedürfnisse.“

„Es geht nicht darum, für jede Person eine Sondersituation zu bauen. Es geht darum, grundsätzlich anzuerkennen, dass es Unterschiede gibt – auch solche, die man selbst vielleicht gar nicht nachvollziehen kann.“ – Enrico Kunze

  • Empathie statt Fremdbewertung

Viele Probleme entstehen aus Fremdbewertungen heraus, so Kunze. Wenn ein autistischer Mensch oder eine Person mit ADHS Sinneseindrücke und Informationen anders wahrnimmt, ist das für neurotypische Menschen manchmal schwer nachzuvollziehen. „Und dann ist Nachfragen oft der beste nächste Schritt.“

Wichtig dabei: Nicht nur warten, bis die betroffene Person sich meldet. Ein respektvolles, inklusives Miteinander bedeutet auch, aktiv zu signalisieren: „Ich kümmere mich darum, wie es dir geht.“

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Neurodivergenz als Chance für Nachhaltiges Design

Enrico Kunze

Neurodivergente Menschen bringen oft einen verstärkten Gerechtigkeitssinn mit – eine Eigenschaft, die perfekt zur Mission der ecosign passt. Denn Nachhaltigkeit setzt sich für Gerechtigkeit ein: für kommende Generationen, für benachteiligte Gruppen, für die Umwelt.

Doch Enrico Kunze geht noch weiter: „Ich würde das gar nicht so stark auf den Gerechtigkeitssinn eingrenzen. Für mich ist das vor allem eine Frage der Perspektiven.“

  • Andere Perspektiven = inklusiveres Design

Neurodivergente Menschen haben eine andere Perspektive – eine, die sich von der neurotypischer Menschen grundlegend unterscheiden kann. Das hängt damit zusammen, wie Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. „Und genau daraus können neue Perspektiven auf Dinge entstehen, die wir oft nur aus einer neurotypischen Sichtweise heraus betrachtet haben.“

„Neurodivergente Perspektiven sind nicht per se besser oder schlechter als neurotypische. Es geht nicht um eine Wertung. Es geht darum, dass eine größere Vielfalt an Perspektiven grundsätzlich allen zugutekommt.“ – Enrico Kunze

  • Ein Vorsprung für alle

Dieser Vorsprung zeigt sich im Miteinander, im Berufsleben und natürlich auch in der Design- und Kommunikationswelt. „Nicht über wohlklingende, halb-inklusive Plattitüden, sondern ganz konkret darüber, wie gedacht, gestaltet und entschieden wird.“

Wir leben in einem System, das stark von neurotypischen Perspektiven geprägt ist. Wenn Design, Kommunikation oder Organisationsstrukturen ausschließlich aus dieser einen Perspektive gedacht werden, bleiben automatisch andere Sichtweisen außen vor. Die ecosign erweitert dieses System bewusst.

„Ich glaube, kulturhistorisch betrachtet stecken in der Designwelt längst neurodivergente Perspektiven drin – nur wurden sie früher nicht so benannt“, erklärt Enrico. Teilweise fehlte das Vokabular, oft auch der Zugang zum Thema Neurodivergenz.

Neuroinklusives Design macht Kommunikation besser – für alle

Wer sich mit neuroinklusivem Design beschäftigt, merkt schnell: Es geht viel um Aufmerksamkeit, Fokus und Simplizität von Botschaften – also darum, Kommunikation so zu gestalten, dass sie möglichst inklusiv übermittelt werden kann.

„Das hat ausdrücklich nicht den Anspruch, ‚einer Minderheit etwas recht zu machen‘, wie manchmal polemisch behauptet wird. Im Kern führt dieser Ansatz dazu, dass Kommunikation und Design einfacher zu erfassen werden.“ – Enrico Kunze

Und „einfach“ heißt dabei nicht „primitiver“, sondern: klarer, zugänglicher, besser konsumierbar. Designer:innen müssen sich immer wieder klarmachen: Design bedeutet, Informationen so zu gestalten, dass sie bei Empfänger:innen ankommen – und dort auch aufgenommen werden können.

Genau deshalb sind neuroinklusives Design und neurodivergente Perspektiven am Ende ein Gewinn für alle – völlig unabhängig davon, ob jemand neurodivergent oder neurotypisch ist.

Studierende der ecosign - Neurodivergenz als Chance

Wie funktioniert das Miteinander an der ecosign?

An der ecosign wird inklusives Design nicht nur gelehrt, sondern gelebt. Studierende gestalten ihre Kurse aktiv mit, indem sie Anreize für Neuerungen und eigene Interessen geben. Aber wie funktioniert das studentische Miteinander zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen am besten?

  • Miteinander reden – ohne zu bewerten

Enricos Antwort ist klar: „Am besten funktioniert dieses Miteinander, indem man miteinander redet.“ Die Schlüssel sind Empathie, Kommunikation – und vor allem Nicht-Bewerten.

Aus eigener Erfahrung weiß Enrico: Eine große Gruppe kann schnell zur Überforderung werden. „Wenn man merkt, dass jemand überlastet wirkt, hilft manchmal ein einfaches: ‚Hey, kann ich dir helfen?‘ oder ‚Brauchst du kurz einen Rückzug?'“

  • Bedürfnisse artikulieren lernen

Ein oft unterschätzter Punkt: Neurodivergente Menschen haben oft nicht gelernt, ihre Bedürfnisse gut zu artikulieren – weil sie in einem neurotypischen System sozialisiert wurden. Manchmal fehlt das geeignete Vokabular, manchmal kann man das eigene Erleben nicht klar artikulieren.

Deshalb ist achtsames Miteinander so entscheidend. Und Sichtbarkeit spielt auch hier eine große Rolle.

  • Partizipation als selbstverständlicher Bestandteil

Dass Studierende an der ecosign Kurse mitgestalten können, ist ein starker Hebel, um Lehre für unterschiedliche Erlebenswelten anschlussfähiger zu machen. Besonders wirksam wird dieser Ansatz dort, wo Partizipation nicht nur als Möglichkeit gedacht wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Lehr- und Lernprozessen.

Studierende an der ecosign

„Die ecosign kann zeigen, wie das gelingen kann: indem nicht allein darauf gewartet wird, dass Studierende von sich aus Rückmeldung geben, sondern indem aktiv Safe Spaces für Austausch und Feedback entstehen.“ – Enrico Kunze

Warum die ecosign die richtige Wahl für neurodivergente Studierende ist

Die ecosign Akademie vereint mehrere Faktoren, die sie zu einem besonders geeigneten Ort für neurodivergente Studierende machen:

  • 1. Kleine Kohorten statt Massenbetrieb
  • Mit rund 300 Studierenden und einer familiären Atmosphäre bietet die ecosign individuelle Betreuung. Hier ist niemand eine Matrikelnummer, sondern wird als Mensch mit individuellen Bedürfnissen wahrgenommen.

2. Flexible, partizipative Lernstrukturen

  • Studierende können ihre Kurse aktiv mitgestalten und ihre eigenen Interessen einbringen. Diese Flexibilität ermöglicht es, Lernprozesse an individuelle Bedürfnisse anzupassen.

3. Durchdachte räumliche Gestaltung

  • Das Design Quartier Ehrenfeld bietet moderne, nachhaltig sanierte Räume mit bewusster Gestaltung – inklusive der Möglichkeit für reizärmere Lernumgebungen.

4. Kultur der Offenheit und des Dialogs

  • An der ecosign wird über Neurodivergenz gesprochen. Sichtbarkeit und Austausch sind selbstverständlich, nicht die Ausnahme.

5. Inhaltliche Passung: Nachhaltigkeit trifft Gerechtigkeit

  • Wer Nachhaltiges Design studiert, setzt sich mit Gerechtigkeit auseinander – mit sozialer, ökologischer und ökonomischer Gerechtigkeit. Neurodivergente Perspektiven sind hier nicht nur willkommen, sondern essenziell.

6. Praxisnähe und reale Projekte

  • Die ecosign arbeitet eng mit Partnern wie dem Wuppertal Institut, CSCP, Greenpeace und dem Fraunhofer-Institut zusammen. Studierende arbeiten an realen Projekten – eine Form des Lernens, die vielen neurodivergenten Menschen besonders entgegenkommt.

Fazit: Eine Hochschule, die Vielfalt als Stärke begreift

Die ecosign Akademie zeigt, wie Hochschulbildung im 21. Jahrhundert aussehen kann: inklusiv, partizipativ und mit einem tiefen Verständnis dafür, dass Vielfalt keine Herausforderung ist, die es zu bewältigen gilt, sondern eine Stärke, die es zu nutzen gilt.

Für neurodivergente Studierende – ob mit ADHS, Autismus oder anderen neurobiologischen Besonderheiten – bietet die ecosign einen Raum, in dem sie nicht nur studieren können, sondern in dem ihre Perspektiven aktiv eingefordert und wertgeschätzt werden.

„Je mehr Perspektiven vorhanden sind, desto besser werden Entscheidungen – und desto klarer kann man sich selbst ein Bild machen.“ – Enrico Kunze

In einer Welt, die dringend nachhaltige Lösungen braucht, ist diese Vielfalt der Perspektiven nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar!

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