Momentum
Produktdesign
Gestalterin: Elisa Schneider
Entstanden: Wintersemester 2025/26
Ein multisensorisches Erinnerungs- und Aktivierungssystem für Menschen mit Demenz in Kooperation mit dem Hamburger Startup meelo.
Demenz ist eine der weltweit am schnellsten wachsenden gesundheitlichen Herausforderungen und belastet Gesundheitssysteme finanziell wie strukturell stark. Betroffene erleben häufig Stigmatisierung, Scham, soziale Isolation und den Verlust ihrer Selbstständigkeit. Angehörige sind emotional und körperlich überlastet, während professionellen Pflegekräften oft Zeit und biografische Informationen für eine personenzentrierte Pflege fehlen.
meelo ist ein deutsches Start-Up, das in enger Zusammenarbeit mit Psychologen, Pflegefachkräften und Pilotnutzern ein modulares Aktivierungssystem für Menschen mit Demenz entwickelt. Die Zusammenarbeit im Rahmen dieser Bachelorarbeit konzentrierte sich darauf, diese Vision in ein Produktsystem mit kohärenter Designsprache zu übersetzen. Dafür konnte ich mich regelmäßig mit Pflegekräften und Angehörigen austauschen und das System mit Menschen mit Demenz testen und an ihre Bedürfnisse anpassen.
Angehörige oder Pflegekräfte nutzen die App von meelo, um Kategorien auszuwählen, Fotos hochzuladen und durch KI gestützte, biografische Fragebögen zu beantworten. Die App generiert kurze persönliche Audio-Geschichten, die selbst eingesprochen und mit Musik und Geräuschen angereichert werden können.
Der Inhalt ist über einen NFC-Chip mit einem physischen meelo-Bild verknüpft. Wenn das Bild auf die Box gelegt wird, wird der Ton abgespielt, erweckt Erinnerungen zum Leben oder fasziniert.
Der Moment wird zum Ausgangspunkt für Gespräche, Verbindungen und Aktivierung. Bei meelo geht es nicht um Gedächtnistraining, sondern darum, gemeinsame Präsenz und emotionale Resonanz im Moment zu schaffen.
Unterschiedliche Rahmenstrukturen der meelo-Bilder sorgen für sensorische Stimulation und machen sie auch für sehbeeinträchtigte Menschen zugänglich. Zusätzliche Module wie ein Bildschirmaufsatz, ein Organisationsmodul für die meelo-Bilder oder sensorische Add-ons wie Licht oder Duft können über Pogo-Pins angedockt werden. Sie gewährleisten, dass das System mit den Bedürfnissen des Nutzers mitwachsen kann.
Gestalterisch verbindet das System eine vertraute, radio-inspirierte Formsprache mit klarer, barrierearmer Interaktion. Die Konstruktion ist verschraubt statt verklebt, modular aufgebaut und reparierbar gedacht. Mit dem Digitalen Produktpass (DPP) erhält jedes Gerät eine eigene digitale Identität: Materialinformationen, Reparaturhinweise und Recyclingwege sind transparent über einen QR-Code abrufbar.
So zeigt meelo, dass dem Verlust von Erinnerung etwas entgegengesetzt werden kann, das von der Demenz unberührt bleibt und das ist der Wert des gemeinsam gelebten Augenblicks.